HomeDownloadsForumGalerieLinks

 

Belle Star's Diary, Kapitel 5

Petri Heil

Nach den Aufregungen der letzten Tage schien es mir geraten, meine Abreise von Trinsic nach Yew doch noch einmal zu verschieben. Angeln schien mir ein guter Zeitvertreib für eine Genesende. Zum einen konnte ich meine Vorräte auffüllen und vielleicht sogar gleich einige Goldstücke verdienen, ohne die Sicherheit der Stadt aufgeben zu müssen. Schließlich galt es einige Ausrüstungsstücke zu ersetzen, die ich bei meinem letzten Abenteuer verloren hatte. Andererseits ist das Fischen eine herrliche sowie stärkende Entspannung, und man lernt am Wasser immer interessante Leute kennen. So kam es denn auch. Bald stand neben mir ein Edelmann, der ebenfalls seine Angelschnur in's Wasser baumeln ließ. Als wir ins Gespräch kamen, erzählte er mir, daß während meiner Genesung ein großer Ork-Aufstand stattfand. Angeblich hatten sich mehr Grünhäute zusammengerottet, als man je zuvor gegen die Tore einer menschlichen Siedlung hatte anbranden sehen. So recht wußte ich nicht, sollte ich mich freuen, dem entgangen zu sein, oder mich über die verpaßte Gelegenheit zu Kampf und Bewährung ärgern.

Ich hatte schon einige dicke Fische zu meinen Füßen liegen, als mich ein Landsmann ansprach, der durch dieselbe Moongate nach Britannia gelangt war wie ich. Wir plauderten ein wenig, und er stellte mir in Aussicht, mich in den nächsten Tagen in eins der gefährlicheren Dungeons mitzunehmen, wo ich meine Kampfkünste vervollkommnen könnte. Er war leider von seiner Gefährtengruppe getrennt worden, sonst wären wir wohl gleich losgezogen. So verabschiedeten wir uns, und ich suchte eine Schänke auf, um meinen Fang auszunehmen und zuzubereiten. Vielleicht würde der Wirt einige Fischsteaks von mir kaufen.

 

Streithähne

Leider hatte der Schankwirt seine Vorratskammer voll. Immerhin erlaubte er mir, unentgeltlich seinen Herd zu benutzen. Ich aß mich also an gebratenem Fisch satt, als plötzlich einige nervöse Reisende hereinstürmten, die Dinge wie »Mörderbande ... Unverfrorenheit ... Skandal« schnatterten. Draußen hatte ein großes Hallo angehoben, lautes Lachen und Schimpfworte waren zu hören. Vor der Taverne rottete sich tatsächlich in aller öffentlichkeit eine Bande zweifelhafter Gestalten zusammen. Alle trugen dunkelgraue Mäntel und benahmen sich laut und grob -- offenbar hatten sie keinerlei Befürchtung, daß die Stadtwache sie bei ihrem Treiben stören könnte. Als ich durch die Tür trat, wurden Witze laut, auch einige Obszönitäten. Kalt sah ich die Schurken an und fragte, was wohl so lustig sei. Darauf riefen zwei der Dunkelmänner, Lords immerhin, die anderen zur Ordnung, und ich konnte ungehindert meines Weges gehen.

Schon wenige Meter später bekam ich einen weiteren Beweis, daß die Straßen von Trinsic nicht mehr so sicher sind, wie sie einmal waren. Ich bog um die Ecke zur Rüstkammer, als plötzlich Kampflärm an mein Ohr drang. Zwei stadtbekannte Diebe in Skelettrüstungen schlugen sich nach Herzenslust, ohne Rücksicht auf das Duellverbot innerhalb der Mauern. Natürlich erwartete ich, sobald ich Blut fließen sah, daß im nächsten Moment die Wachen erscheinen und den Kampf beenden würden. Doch zu meinem Entsetzen mußte ich feststellen, daß im Schatten einer Mauer längst eine Wache stand und das Geschehen ohne große Anteilnahme verfolgte. So weit ist es also mit unserer schönen Stadt gekommen, daß Halunken und Meuchelmörder sie am hellen Tage beherrschen. Mehr denn je bin ich entschlossen, Trinsic den Rücken zu kehren. Doch zuvor werde ich wohl oder übel noch einiges über Gewalt und Waffen lernen müssen.

Inhalt

Vorwort
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25


© 1999 IDG Entertainment Verlag GmbH, Autor: Charles Glimm

weiter...

UO World – Archiv-Neuauflage 2026 · Impressum · Datenschutz