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Belle Star's Diary, Kapitel 4

Reisefieber

Trinsic verwandelt sich mehr und mehr in ein riesiges Zirkuslager. Man kommt kaum noch durch die Stadttore hinaus und hinein, vor lauter Zelten, Hütten und fliegenden Händlern. Ich setzte nun meinen Entschluß in die Tat um und machte mich auf nach Yew. Vorher stattete ich mich noch mit allem nötigen für die Reise aus, dann deponierte ich Gold und Wertsachen auf der Bank. Außerdem machte ich mir einen besonders guten Bogen, den ich am übungsplatz bei der Kaserne einschoß, und brauchte meine restlichen Federn auf, um einen Vorrat von 80 Pfeilen anzulegen. Dann war ich reisefertig.

Ich hatte kaum die letzten Zelte hinter mir gelassen, da hörte ich im Gebüsch neben dem Weg ein bedrohliches Rascheln. Es klang nicht wie menschliche Schritte, sondern mehr wie ein Schlurfen, Kratzen und Scharren, so daß ich mir dachte, ein in die Richtung geschickter Pfeil könne zumindest nicht schaden. Da tauchte aus den Büschen auch schon ein Mongbat auf, eine groteske Mischung aus Fledermaus und äffchen, die knurrend näher kam. Ich trennte mich von einigen weiteren Pfeilen und hatte bald meine erste Jagdbeute zu verzeichnen.

 

Tod und Reinkarnation

Meine nächste Begegnung mit einem Waldbewohner sollte weniger triumphal enden. Ich war schon ein gutes Stück vorangekommen, als es zu dämmern begann. So beschloß ich an einer geeigneten Biegung der Straße, für ein Nachtlager zu sorgen. Ich suchte eine kleine Lichtung auf, warf meine Bettrolle auf den Boden und machte mich daran, etwas Feuerholz zu schlagen. Dummerweise schreckte ich damit einen Echsenmann auf, der mit seinem dornenbewehrten Schwanz drohend auf mich zu trottete. Ich erschrak gehörig, aber nicht faul vertauschte ich das Beil mit dem Bogen und jagte ihm einen meiner gefiederten Freunde entgegen. Das beeindruckte ihn jedoch wenig, er kam heran und versetzte mir mit seinen scharfen Krallen einen Hieb, der mich überzeugte, daß es wohl besser sei, das Weite zu suchen. Da ich nicht wußte, was vor mir lag, beschloß ich, zurück in Richtung Trinsic zu laufen. Mein Weg im Dunkeln gestaltete sich als klassisches Rückzugsgefecht. Alle paar Meter blieb ich stehen, nahm Maß und schoß dem Unhold einen Pfeil zwischen die rasselnden Schuppen. Die zeigten jedoch unerwartet wenig Wirkung, und jedesmal, wenn ich säumte oder im Unterholz hängen blieb, kam die Echse heran und schlitzte mir mit ihren langen, krallenbewehrten Armen Kleid und Haut auf.

Leicht angeschlagen erreichte ich schließlich das Zeltlager vor den Stadttoren und dachte, der Alptraum hätte damit ein Ende - doch weit gefehlt! Fünf oder sechs Noble, die sofort zu Hilfe eilten, konnten gegen den Echsenmann nichts ausrichten, der auf mich fixiert blieb. Ich rannte in den Schutz der Mauern und rief laut nach den Wachen - nichts geschah! Also betrat ich die Stadt selbst, in der Hoffnung, daß der Spuk damit ein Ende hätte. Doch auch hier ließ das Monster nicht von mir ab, sondern verfolgte mich bis zum Platz vor der Bank. Dort versetzte es mir einen letzten Hieb, der mir schwarz vor Augen werden ließ. Als ich wieder zu mir kam, war die Echse fort, ich stand im Totenhemd da, und eine Schar von Leuten diskutierte eifrig die Ereignisse. Für meinen nächsten Ausflug werde ich mir doch wohl tatkräftige Begleiter suchen müssen...

Inhalt

Vorwort
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25


© 1999 IDG Entertainment Verlag GmbH, Autor: Charles Glimm

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