Mitglied-1971 hat geschrieben:
... mehr und mehr verkommt das IG-Geschehen, meiner Meinung nach, zu eine Art fröhlich bunten Comic-Chat. Es geht weniger darum, seinen Charakter mit allen Konsequenzen zu spielen, sondern vielmehr ums Sammeln von Items, möglichst auch noch in tollen, seltenen Farben (eine üble Krankheit auf 7w). Hauptsache, man hat regelmässig jemanden \"gepwnt\"...
Diese Aussage deckt sich mit meinen eigenen Feststellungen. Und ist nach meiner Einschätzung ein typisches Symptom dafür, woran viele Shards kranken: der Mangel einer klaren Shardpolitik.
Ich rede nicht von der hunderttausendsten Interpration von \"Wir-haben-Orks-und-Zwerge-und-Elfen-und-Werwölfe\" oder \"Wir-haben-373857-verschiedene-Metallegierungen\". Ich rede davon, wie man seinen Shard und die Community dazu formt und ausrichtet.
Viele Shards versuchen noch immer den Spagat zwischen Rollenspiel, Itemflut, Herstellungsketten und einer grossen Spielerzahl. Dieser Spagat funktioniert in der heutigen UO-Zeit nicht mehr. Wenn man viele Spieler will, muss man sich zwangsläufig beim Rollenspiel prostituieren. Wenn man konsequentes Rollenspiel auf seinem Shard will, darf man nicht an den Spielerzahlen kleben. Wenn man eine harmonische Community will, darf man nicht an jedem Forenaccount kleben.
Viele Shards versuchen noch immer, all dies gleichzeitig zu erreichen. Und das geht (zumindest in der heutigen Zeit) nicht mehr. Wer ein konsequentes Konzept umsetzen will, muss zwangsläufig in anderen Bereich Einbussen hinnehmen. Wer z.B. viele Spielerzahlen will, muss zwangsläufig damit rechnen, dass der von Sephi zitierte \"IG Comic-Chat\" entsteht.
Ich persönlich würde mir daher mehr \"ehrliche\" und \"konsequente\" Shardkonzepte wünschen. Mehr differenzierbare Shards. Und zwar nicht differenzierbar im Sinne von Anzahl Legierungen oder toller Gumps, sondern differenzierbar im Sinner der Shardpolitik und -strategie:
\"Wir legen Wert auf eine harmonische Community, pfeif auf die Anzahl Forenaccounts\"
\"Wir legen Wert auf konsequentes Rollenspiel, pfeif auf die IG Spielerzahlen\"
\"Wir legen Wert auf hohe Spielerzahlen, pfeif auf phantasievolle Spieler\"
Solche Aussagen würde ich mir von Shards vermehrt wünschen. Natürlich gibt es diese Aussagen, aber häufig sind sie nicht mehr als Lippenbekenntnisse.
Ich spreche im übrigen aus eigener Erfahrung. Auf Midgard versuchen wir ganz konsequent eine partnerschaftliche und erwachsene Community zu formen. Die Schattenseite davon ist, dass wir schon viele aktive Spieler fortschicken oder bannen mussten, weil sie weder OG noch IG zu unserer Vision von Midgard gepasst haben. Das wirkte sich natürlich negativ auf die Zahl aktiver Spieler aus. Aber die Vision einer funktionierenden Community war und ist uns wichtiger als die Anzahl Accounts.
Die geringeren Spielerzahlen kompensieren wir wiederum mit sehr intensiven, epischen Questreihen, die speziell auf kleine Spielerzahlen zugeschnitten sind. Man muss also flexibel reagieren, wenn man versucht, einen konsequenten Weg zu beschreiten.
Ich glaube, in Zeiten wachsender MMORPG-Konkurrenz (ich rede jetzt bewusst nicht von sinkenden UO-Spielerzahlen) muss sich die UO-Shardszene neue Nischen, neue Angebote suchen. Shards müssen sich mit konsequenten und klaren Konzepten diversifizieren. UO Mittelerde ist z.B. für mich ein positives Beispiel dafür. Obschon ja viele über UO-ME die Nase rümpfen, haben sie immerhin eine extreme konsequente Strategie, was sie höher priorisieren: Spielerzahlen, Shardkonzept, schicke Items/Gumps, Rollenspielniveau oder Communityklima. Man muss UO-ME nicht mögen, aber immerhin gehen sie einen konsequenten Weg und setzen in den genannten Bereichen klare Prioritäten. So eine Strategie wird einem zwar keine galaktischen Spielerzahlen (mehr) bescheren, aber nach meiner Erfahrung bekommt man dadurch eine kleine, aber enorm treue Spielerschaft.