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Quo vadis SotA: Vertrauen oder Kommerz?

Mitglied-143305.02.2014, 19:58 Uhr
In den SotA-Foren ist eine der bisher kontroversesten und teilweise auch emotionalsten Debatten entbrannt, seit das Projekt vor gut neun Monaten aus der Kickstarter-Taufe gehoben worden ist: Weit über 300 Postings in wenigen Tagen, eines der sehr seltenen Postings von Richard Garriott (er hat bislang erst 49 mal etwas gepostet; bei derzeit total 110'000 Postings im Forum) sowie eine offizielle Stellungnahme des COO und Mitgründer von Portalarium, Dallas Snell (bislang erst 40 Postings).

Und all das in drei Tagen. Was ist geschehen?

SotA ist bekanntermassen ein Crowd Funding Projekt, welches von 8. März - 7. April 2013 auf Kickstarter durch 22'000 sogenannte "backer" (Unterstützer) mit fast $2mio Kapital erfolgreich finanziert worden ist. Das Funding-Ziel lag bei $1mio und wurde damit klar übertroffen. Für die "backer", die das Projekt in dieser Kickstarter-Phase mit Beiträgen zwischen $10 und $10'000 pro "Pledge" (Spende, Beitrag) unterstützt haben, hat Portalarium diverse Goodies angeboten:
  • Je nach Pledge-Level verschiedene Ingame-Items, Titel oder Sonderitems[/*:m]
  • Ab $400 aufwärts Zugang zu den Developer-Foren sowie einmal pro Monat ein Asset aus dem Spiel in einem gängigen Fileformat zur freien Verwendung für eigene Projekte (z.B. Modelle von Häusern oder Dungeons)[/*:m]
  • Ab $500 aufwärts verschiedene Spielerhäuser, bis hin zu grossen Burgen und Schlösser[/*:m]
  • Im Gegensatz zum normalen Prinzip, wo für Häuser regelmässige "Grundsteuer" entrichtet werden muss, wurden den Kickstarter-Unterstützern die Häuser "rent free" angepriesen:
    Once a house is purchased, players will need to pay regular taxes on it of course. But as a special thank you to select Kickstarter supporters, all housing obtained by making a Kickstarter pledge of Citizen, Lord, Baron, Duke or Lord of the Manor will be tax free for life!
    [/*:m]
  • Die frühen Unterstützer mit $60 Pledges und aufwärts sollten dauerhaft durch den speziellen Titel "Founder" im Spiel gekennzeichnet werden. Alle die später das Projekt finanziell unterstützten, sollten "Benefactor" genannt werden. Hier die Beschreibung auf Kickstarter:
    Only available during Kickstarter, at Founder level or above, your in-game avatar will receive the honorific title of "Founder" to be proudly displayed for all to see (title visibility controlled by player).
    [/*:m]



Attraktive Items, "rent free" Häuser, Anerkennung für die frühe und zum Teil finanzstarke Unterstützung des Projektes. Ein durchaus faires Angebot für all jene, die sich in dieser frühen Phase finanziell zu dem Projekt bekannt haben. So weit so gut.

Das Geldsammeln ging jedoch auch nach Abschluss der mehrfach verlängerten Crowd Funding Periode weiter:
  • Die Möglichkeit, als "Founder" das Projekt zu unterstützen wurde mehrfach und scheibchenweise verlängert.[/*:m]
  • Neue Pledge-Level (sogenannte "tiers") wurden eingeführt, die zum Teil die gleichen Vorzüge hatten wie die Founder-Tiers.[/*:m]
  • Für weitere Geldbeschaffung wurde ein "Add-On Store" eingeführt, wo man Sonderitems und Häuser mit zum Teil grossem Rabatt kaufen kann.[/*:m]



Hier begann sich erstes, zaghaftes Unwohlsein zu regen: Während viele der Meinung waren, dass das kontinuierliche Streben nach mehr Geld ein legitimes Mittel für das Projekt sei, regte sich bei ersten ein gewisses Unbehagen wegen des spürbar wachsenden kommerziellen Touch. Dennoch gab es Monate lang keine bis wenig Kritik.

Der Sturm brach erst am 31. Januar 2014 los:

Durch eine News von Portalarium auf der Homepage wurde plötzlich bekannt, dass der bis dato exklusive "Founder" Titel der frühen Unterstützer nun an andere weitergegeben werden konnte. Und zwar indem der Founder (also der frühe Unterstützer aus der Kickstarter-Periode) im Accountbereich von SotA einen Pledge, der mindestens $40 wert sein musste, an einen ganz neuen oder an einen bereits bestehenden "Benefactor" (also jemand der erst nach Ablauf der Kickstarter-Periode etwas gespendet hat) übertrug.

Schnell brach ein Sekundärmarkt aus, bei dem Founder aus der Kickstarter-Periode anboten, dass sie interessierte Benefactor zu einem "Founder" machen würden, wenn diese ihnen $40 Cash überwiesen. Der Handel sieht wie folgt aus:
  • Der interessierte Benefactor überweist $40 Cash an den Founder. In der Regel via PayPal.[/*:m]
  • Der Founder kauft mit diesen $40 einen SotA-Pledge, indem er die $40 an Portalarium überweist.[/*:m]
  • Diesen Pledge, den der Founder für die $40 erstanden hat, schenkt er nun dem Benefactor[/*:m]
  • Der Benefactor wird dadurch selber zum Founder und kann den Deal nun auf Wunsch selber für andere Benefactors durchführen.[/*:m]



Portalarium fördert diesen Handel, indem sie den Founder, der sozusagen als Zwischenhändler auftritt, mit einem kleinen Bonus beschenken.

Es entstand ein schwunghafter Handel, der schliesslich zu einem eigenen SotA-Forum namens "Player Marketplace" führte. Dort nahm die Marktwirtschaft schnell ihren Lauf, indem sich die Founder Stück für Stück zu unterbieten suchten: Der bislang $40 teure Deal kostete plötzlich nur noch $35, $30 oder gar $25. Das heisst, dass der interessierte Benefactor nur noch $35, $30 oder $25 Cash an einen Founder zahlen musste, um von ihm den $40 Pledge "geschenkt zu bekommen. Wichtig zu wissen: Auch wenn der Founder nur $25 für seinen Dienst als Mittelsmann verlangte, er musste trotzdem $40 an Portalarium überweisen, um den Pledge zu bekommen, den er dann weiterschenken konnte.

Und damit brach der Sturm los.

Die unterschiedlichsten Standpunkte prallten aufeinander und lösten energische Kontroversen aus:
  • Handelt es sich um legitime Mittel, um mehr Geld zu beschaffen und das Projekt weiter zu stärken? Oder prostituiert sich das Projekt nun gänzlich für den gleichen Kommerz für den EA oft gescholten worden ist?[/*:m]
  • Ist das Konzept, die frühen Founder als "Reseller" bzw. als "Mittelsmann" auftreten zu lassen ein grossmütiger Akt von Portalarium, um diese frühen Founder mitprofitieren zu lassen? Oder ist es unverantwortlich, interessierte Benefactor dazu zu "nötigen", ihr Geld anderen, ihnen unbekannten Spielern zu überweisen, um von denen dann mit einem $40 Pledge "beschenkt" zu werden?[/*:m]
  • Hat Portalarium grossmütig immer neue Fristen gesetzt, um "Nachzüglern" ebenfalls die Möglichkeit zu geben, sich finanziell einzubringen? Oder hat Portalarium eine "Salamitaktik" angewendet um beständig an frisches Geld zu kommen, haben sie frühe Zusagen verwässert und das Vertrauen der frühen Unterstützer betrogen?[/*:m]
  • Und vor allem: Ist es ein Akt der Grosszügigkeit von Portalarium, den bislang relativ exklusiven Titel "Founder" der frühen Unterstützer nun jedem zugänglich zu machen? Oder ist es ein Schlag ins Gesicht dieser frühen Unterstützer, die nun kein Zeichen der Anerkennung für ihr frühes finanzielles Bekenntnis zu SotA mehr haben?[/*:m]



Die Wogen schlugen und schlagen hoch. So hoch, dass es offenbar selbst Portalarium nicht mehr ganz geheuer war: Auf dem Höhepunkt der Debatten hat Portalarium gestern eingelenkt und es wurden von Starr "DarkStarr" Long (Executive Producer von SotA) zwei neue Initiativen lanciert:
  • Die frühen Unterstützer aus der Kickstarter-Periode sollen nun speziell eingefärbte Items erhalten, die sie als frühe Unterstützer auszeichnen.[/*:m]
  • Zudem sollen sie einen speziellen Titel erhalten, der ebenfalls kennzeichnet, dass es sich hier um einen Spieler handelt, der früh und trotz des finanziellen Risikos SotA seine Unterstützung hat zukommen lassen.[/*:m]


Zurzeit läuft eine Abstimmung darüber, welchen Titel und welche Sonderfarbe die frühen Unterstützer haben wollen. Allerdings schaut es so aus, als ob die Abstimmung darüber nur für jene zugänglich ist, die $400 oder mehr gespendet haben.

Trotz des Einlenkens von Portalarium bleiben Fragen offen, die jeder für sich beantworten muss: Ist SotA nicht besser oder schlechter als jedes andere kommerzielle Mainstream-Projekt der grossen Publisher? Hat Portalarium das Vertrauen der frühen Unterstützer verspielt? Sind die beiden Initiativen von DarkStarr ein Zeichen echter Einsicht? Oder nur ein notwendiger Schritt zur Schadensbegrenzung?

Wir sind sehr gespannt auf eure Meinungen und Standpunkte. Es darf auch hier kontrovers diskutiert werden (-;



Hier die wichtigsten Threads zu dem Thema in den Sota-Foren (Grayhawk heisst dort "Grayhawk" und ich heisse dort "Parallaxe"):

Die offizielle Ankündigung mit der alles begann (https://www.shroudoftheavatar.com/forum/index.php?threads/purchase-transfer-and-gifting-of-founder-pledges.7041)
Der "Player Marketplace" (https://www.shroudoftheavatar.com/forum/index.php?forums/player-marketplace.73/)
Grayhawks Thread zum Thema Enttäuschung und Vertrauensverlust (https://www.shroudoftheavatar.com/forum/index.php?threads/silent-declaration-of-being-disappointed-by-founder-mass-production.7116)
Adams Thread zum Thema Mittelsmann (https://www.shroudoftheavatar.com/forum/index.php?threads/founders-benefactors-and-doing-the-right-thing.7120)
D__ Thread zum Thema "gebt's doch gleich allen" (https://www.shroudoftheavatar.com/forum/index.php?threads/founders-benefactors-gifting-and-marketplace.7111)
Stellungnahme von Dallas Snell (https://www.shroudoftheavatar.com/forum/index.php?threads/trust-and-doing-the-right-thing-regarding-early-founder-pledge-gifts-transfers.7158)
Mitglied-132807.02.2014, 19:45 Uhr
Also wenn du mich fragst ist das eine typische Masche um einfach an mehr Kohle zu kommen. Man muss sich ja immer vor Augen halten, dass das auch nur Geschäftsleute sind die Geld verdienen wollen.

Meiner Ansicht nach hat hier die Gier zu weit gegriffen. Wäre ich dort Founder gewesen und würde nun gesagt bekommen, dass nun plötzlich jeder dahergelaufene ohne Risiko den Titel eines Gründers bekommen kann, würde ich mich auch verarscht fühlen. Denn das würde für mich bedeuten, dass man mich als frühen Unterstützer, der ein Risiko eingeht in dem er Geld in ein ungewisses Projekt steckt, schlichtweg herab setzt auf dieselbe Stufe wie jemand der sich schon ins gemachte Nest setzt.

Was die jetzt betreiben ist klassische Schadensbegrenzung, nichts anderes. Leicht daran zu erkennen, dass sie erst nach großem Protest mit Aufwertungen für die richtigen Founder ankommen.

Das Problem ist, dass manche (Geschäfts)Leute den Crowdfunding Gedanken einfach nicht so ganz verstanden haben. Crowdfunder sind keine Melkkühe, die man einfach ersetzen oder wegwerfen kann, wenn sie keine Milch mehr geben, sie hängen mit ihrem Herz an dem Projekt, da spielen Gefühle eine große Rolle. Und diese kann man mit solchen Aktionen leicht verletzen.

Ich würde mal sagen, da hat sich jemand ziemlich verkalkuliert ;) Hoffen wir dass das Projekt dadurch nicht untergeht (was sicher nicht passieren wird bei dem Budget) und der Produzent daraus gelernt hat.
Die Community hat er aber leider trotz allem wohl schon gespalten bzw. eine große Wunde hinterlassen, das wird wohl etwas dauern bis die wieder verheilt ist ... wenn sie überhaupt verheilt bzw. der Produzent an einer Heilung interessiert ist.
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