Charaktergeschichten - wie haltet ihr es damit?
Mitglied-56819.11.2009, 11:37 Uhr
Ein sicherlich oft und häufig diskutiertes Thema, das ich trotzdem mal wieder aufwärmen möchte, da ich mich gerade in letzter Zeit ein wenig bei den bestehenden RP-Freeshards umgesehen habe, da mich es mich momentan wirklich reizt, wieder ein wenig UO zu spielen. Angenehm ist mir dabei aufgefallen, daß das Schreiben von Charaktergeschichten als Eingangsvoraussetzung für die Accountfreischaltung deutlich abgenommen hat und stattdessen durch alternative Systeme ersetzt wurde. Ob nun das Abfragen von Klischeesituationen oder Shardhintergründen hierbei eine bessere Wahl ist, mag dahingestellt sein und muß jeder für sich selbst beantworten, aber irgendwie finde ich es deutlich unkomplizierter, wenn man mit recht wenig Aufwand erstmal in einen Shard "reinschnuppern" kann, ob dieser einem überhaupt gefällt, bevor man eine mehr oder minder elaborierte Geschichte schreibt.
Nicht das ich etwas gegen Charaktergeschichten hätte. Jeder meiner Charaktere hat / hatte eine und letztlich habe ich nach vielen Jahren des UO-Spielens soviele alte Charakteregeschichten auf meiner Festplatte abgespeichert, daß ich nahezu für jede Charakterklasse, Charaskterrasse und sonstige Stereotype mehrere zur Auswahl hätte, die sich der jeweiligen Situation / Hintergrundwelt leicht anpassen ließen und noch nie abgelehnt wurden, was vermutlich den meisten langjährigen UO-Spielern so geht. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, daß die Zeit der Geschichtenschreiberei nicht mehr so in ist und einen größeren Teil der UO-Spieler einfach nur nervt bzw. als freiwillige Zusatzleistung in Ordnung ist, aber nur noch ungerne als Eingangsvoraussetzung für einen Shardaccount und / oder zum Erreichen bestimmter Dinge auf den Shards akzeptiert wird. Letztlich soll das Spiel an sich Ingame stattfinden und nicht in den Foren, denn dann könnte man auch gleich in einen P & P - Chat wechseln oder wie seht ihr das?
PS: Außerdem ist mir aufgefallen, daß die Freeshardszene doch deutlich geschrumpft ist und mir die Auswahl sehr schwer fällt.
Mitglied-189419.11.2009, 12:06 Uhr
also ich seh einen grundsätzlichen Unterschied zwischen Charaktergeschichte und Charakterhintergrund.
Ich kann bestätigen, was du sagst zum Thema Eingagsvoraussetzungen. Dabei ist es wirklich positiv aufgefallen, dass Geschichten abgenommen haben. Das is im Grunde eh komplett ohne Aussage.
Ich persönlich finde es wichtig, einen Charakterhintergrund zu haben, wobei ich persönlich dazu neige, sehr stark klischees zu spielen (in jede denkbare Richtung) und meine Charaktere erst im Laufe des Spiels einen dichten Hitnergrund erhalten, aber ich kann auch sehr gut improvisieren und Hintergründe erst in Situationen festlegen, in denen sie erforderlich sind, ohne dass der Mitspieler das merkt. Es kommt hier vermutlich auch ein wenig auf die persönlichen Fähigkeiten im Spiel an.
Was den Wunsch nach Charakterhintergrund in der Szene angeht, kann ich nur hoffen, dass das nicht verschwindet. Ich find's schon arg stressig, wenn das Gegenüber keinen Hintergrund hat, den man erforschen kann. letztlich ist das ne Grundlage für Unterhaltungen und Rollenspiel. Wenn da nix is, was ich rausfinden kann, wenn da nix is, was Motiivationen gibt, ist der Charakter nur eine seelenlose WErtehülle. Ziemlich aramseelig.
Mitglied-56819.11.2009, 13:38 Uhr
Mittlerweile mag ich es auch lieber, wenn man nicht lebenslaufartig Schreiben muß - etwas was mich zum Beispiel nie zu Siebenwind führen würde, auch wenn ich das vor kurzem mal in Betracht gezogen habe - sondern lieber über eine typische Szene aus dem Vorleben des Charakters, welche die Charaktereigenschaften und einen Teil seines Verhaltens darstellt. Meiner Meinung nach ist nichts öder als so lebenslaufartige Geschichten a la "wurde als Sohn von X und Y in Z geboren, lebte friedlich vor sich hin, bis er oder sie in einem spontanen Ausbruch von Magie das Haus und die bösen Orks / Räuber / Söldner abfackelte, die seine Eltern töten." Ehrlich gesagt wurde es mir als Freischalter - was ich auch mal recht lange Zeit als Staffler getan hab - auch mehr Spaß machen, erst genannten Geschichten zu lesen und könnte auf Lebensläufe bestens verzichten. Beim Rest des Hintergrundes halte ich es auch eher wie Stordyr, ich habe diesen in Grundzügen im Kopf und improvisiere dann entsprechend im Rollenspiel, wobei ich mir im nachherei durchaus auch notiere, was mein jeweiliger Charakter von sich gegeben hat und ja, wenn es paßt auch in RP-Posts im Forum, die allerdings dann Geschichten erzählen, die sich IG tatsächlich ereignet haben.
Mitglied-204519.11.2009, 18:28 Uhr
Ich persönlich kann da nur den aktuellen Trend begrüßen, von den starren Pflichten eines Charhintergrundes wegzukommen. Der Vorteil ist natürlich nicht von der Hand zu weisen, simple Copy-Paste Geschichten und lieblos zusammengeschlunzte Texte geben manchmal schon nen "guten" Ersteindruck vom Spieler, die meist aber primär (aus meiner Sicht verständlich) nicht unbedingt motiviert sind 200 Seiten Weltkonzept durchzulesen um dann eine "stimmige" Geschichte zu kreieren, wobei "stimmig" dann auch wieder Auslegungssache ist. Eine ganz andere Falle, die man sich mit Sowas stellen kann sind Spieler, die zwar ein geniales RP abliefern und aktiv IG Dinge in die Hand nehmen, aber schon bei einem 3-Zeilen Brief in Schweiß ausbrechen, weil ihnen das tumbe Text auf Papier Bringen einfach nicht liegt. Ich kenn da persönlich mehrere Leute, die spielen können, aber einfach nichts geschrieben bekommen... paradox, oder?
Wie so oft ist ein schöner Kompromiss meist das beste Mittel um nicht gleich abzuschrecken, aber dennoch ein Auge drauf zu haben, dass der Char auch zum Realm passt. Ein Waldelfenorkmagier der bei Zwergen wohnt ist meist nicht so wirklich das, was sich Staffler wünschen, egal wie interessant das RP wohl ausfallen mag :D . Ebensowenig sind Chars interessant, die wie in einem Puppentheater alles per Regel, bzw Konzept vorgekaut bekommen. Sicherlich sollte ein Char auch in das ralm passen, wo er spielt, ohne gleich vom Start weg quasi drauf zu pochen, dass er der super-Exentriker zu sein hat, schlimmer noch sich IG benimmt wie Knüppel aus dem Sack. Grade das kann man aber schon im Vorfeld durch eine "knappe" Charbeschreibung rausfinden. Möchte der Spieler dann noch eine Sonderrasse/Klasse spielen, halte ich es für völig ausreichend ihn IG vor dem Freischalten kurz zu befragen, wie er sich das vorstellt, bzw ihn mit nem kleinen Wissensquiz befragen und dann unter Umständen noch par Anmerkungen dazu zu machen.
Man sollte sich als Staff mit seiner Welt schon so sicher sein, dass man auch eventuell schwierige Leute auf eben Diese loslässt. Ein Zwerg, der einen Elf zum Freund hat? Warum nicht? Es muss "Den Zwergen" nicht passen, aber solange der Hintergrund stimmt, warum das aus Prinzip boykottieren, nur weil laut Konzept alle Zwerge Elfen hassen (Begründung?)?
Wie Azhran schon sagte, entwickelt sich ein Char eigentlich erst wirklic IG. Normalerweise würde ich sagen, reicht ein knapper Leitfaden, der zum Shard passt und alles drumrum baut sich beständig auf. Auch wenn mal Mist erz#ählt wird,wer sagt denn, dass man jedem Char IG seine Geschichte auch glauben muss? :wink:
Mitglied-197123.11.2009, 00:11 Uhr
Ich mag es, wenn ich mich für einen Account anmelde, auch nicht, da noch eine Story reinpacken zu müssen. Auch Abfragen wie "Was ist RP?" finde ich etwas müßig. Ich habe bisher auch Shards erlebt, die so etwas abfragten, deren RP-Qualität aber dann trotzdem nicht so toll war.
Lieber ist es mir, wenn ich dann beim Charaktererstellen etwas schreiben kann/muss. Naja, ich bin da 7w gewöhnt und da ich selber mal zu denen gehört habe, die diese Geschichten lasen und freischalteten oder nicht, kann ich versichern, dass lebenslaufartige Stories nicht sein müssen. Die Geschichten dienen vor allem dazu, zu sehen, ob der Spieler sich mit dem Hintergrund des Shards, der Klasse und Rasse beschäftigt hat, was man auch in einer nichtlebenslaufartigen Geschichte unterbringen kann.
Zeitweise hatte ich es mal befürwortet, dass man z. B. für Handwerker keine Geschichten schreiben muss, einfach weil es auch wenig Spieler gibt, die sich diesen "Stress" als "Itemproduziermaschine" (überspitzt ausgedrückt - ich habe allerdings auch einen Handwerkerchar momentan) geben möchten und das vielleicht halbwegs ein Anreiz sein könnte. Dann sah ich aber auch, wohin das führen kann. Nicht selten platte Charaktere, die bloss dazu da sind, dass eine Gilde bzw. die Freunde mit Items versorgt sind.
Auf der anderen Seite bin ich mir aber auch dessen bewusst, dass eine gute Charaktergeschichte nur bedingt ein Garant für gutes Rollenspiel ist und umgedreht auch jemand, der nicht gerne Geschichten schreibt, ein guter Rollenspieler sein kann. Von daher sollte man die Anforderungen an eine Geschichte nicht zu hoch schrauben. Sie sollte einfach zeigen, dass man sich ein paar Gedanken gemacht hat, dass der Char kein unfehlbarer Überheld ist und man auch verstanden hat, auf was für einen Shard (bzgl. Hintergrund) man spielen möchte. Letztlich entwickelt sich dann vieles eh im Spiel. Bei meinem derzeit gerne gespielten Charakter merke ich das sehr stark - manches von dem, was ich damals, vor fast 2 jahren, im Sinn hatte, habe ich IG nicht umsetzen können. Manches änderte sich, wurde gestrichen oder ergänzt. So ein IG gewachsener Charakter ist dann letztlich am schönsten und man kann es wohl am ehesten mit einem Gemälde vergleichen - die Story war die Leinwand, dazu gab es ein paar grobe Skizzen und die feinen Details und Farben kamen erst im Spiel hinzu und rundeten alles ab.
Mitglied-56824.11.2009, 16:32 Uhr
Interessant zu hören, daß eine "Lebenslaufgeschichte" bei Siebenwind nicht notwendig ist sondern man auch mit anderen Stilmitteln arbeiten kann. Das geht aus der Hompage irgendwie gar nicht hervor und hat mich wirklich abgeschreckt. Sonst hätte ich den Shard bestimmt ausprobiert.